BMW M3 2008er - Gastbeitrag - Testbericht

Etwas verspätet, aber ich denke immer noch brandaktuell: Ich fuhr im vergangenen Oktober den neuen BMW M3 zur Probe. Normalerweise wird die Kiste nicht so einfach vergeben, aber mein Verkäufer wurde schon den Vorgänger an mich los und auch davor so den ein oder anderen, dass er sich anscheinend ein Herz nahm. Pflichtbewusst teilte ich ihm mit, daß ich das Baby wirklich fahren werde und nicht nur bewegen. Die Info war mir wichtig, weil ich einen “eingefahrenen” haben wollte, denn der M3 muss in 2 Stufen eingefahren werden. Die ersten 3.000KM darf nur bis 5.000U/min gedreht werden und max. 170Km/h gefahren werden und danach max 210Km/h glaube ich, weiß ich nicht mehr genau.
Nun gut, eingefahren aber nicht offen, bekam ich dann das Teil in schwarz am 02. Okt. 2007 für diesen Tag ohne KM Begrenzung, auch nicht selbstverständlich.

Und ab auf die Autobahn von Richtung Garmisch. Die Beschleunigung ist selbstverständlich mit 420 PS ein echter Burner, dennoch hätte ich im Vergleich zum Vorgänger E46 mit 343PS einen deutlicheren Unterschied erwartet. Was sofort bestach war das absolut perfekte Fahrwerk. Kompromisslos sportlich einerseits und auf wundersame Weise dennoch komfortabel. Bisher glänzte der E46 durch unglaubliche Rückenwirbelprügel, einfach weg. phantastisch. Grosser Pluspunkt. Zuvor war ich den S5 von Audi gefahren und davor den Porsche Cayman. Fahrwerkstechnisch ist der BMW der gelungenste. Reiner Sportwagen, dennoch mit Mindestkomfort. Der Porsche wackelt einfach nur und der Audi ist super, aber eher eine sportliches Coupe, weniger ein Sportwagen, das will er auch nicht sein.

Dann wollte ich das “Popo-Meter” des Wagens ausprobieren. Also runter von der Autobahn bei Murnau und ab Richtung Kessel-Berg. Seit Jahren meine Auto- und Motorrad-Teststrecke. Für Mopeds am Wochenende gesperrt, werktags frei und weitestgehend unbefahren. Ein Freund, der mich bis dahin begleitete und schon leicht nervös auf der Autobahn auf der Unterlippe kaute, befragte ich, ob er lieber warten und den Ausblick genießen wollte, was er verneinte. Soll man nicht sagen, ich hätte ihn nicht gewarnt.

Nun, 8.500 U/min im zweiten Gang können extrem giftig sein, nur gut, daß einen die 265er Serien-Heck-Bereifung allzeit gut auf dem Asphalt halten, auch bei ausgeschaltetem DSC und frischen Pneus ist die Kraftübertragung eine Sensation. Das Fahrwerk und die Masseverteilung gibt einem schlicht das Gefühl in einem Mittel-Motor-Auto zu fahren.
Die Sitze bieten extrem guten halt, die Seitenbacken lassen sich aufblasen, so das man quasi in einem Schalensitz Platz nimmt.

Die Spurtreue ist phänomenal. Ählich wie bei einem sehr guten Superbike, läßt sich die Ideallinie nicht nur gut anfahren, sondern fast cm-genau nur mit dem Gas und der Motorkompression in der Kurve folgen. Kein Übersteuern kein Untersteuern, alles ohne Allrad, Hammer.
Dennoch ist dem M3 sein Gewicht anzumerken. Da hilft auch kein Marketing drüber hinweg. Der Motor ist trotz 8 Zylinder dennoch leichter als sein sechszylindriger Vorgänger aber insgesamt hat der Neue draufgepackt und das muss er durch extra Technik und Power wettmachen.

MIr persönlich gefällt das Interieur von BMW derzeit nicht. Unabhängig davon, sauber verarbeitet, alles wo es sein soll, das iDrive hat sich deutlich weiter entwickelt. Die “Radio-Tasten” lassen sich mit vielfältigsten Individuellen Einstellungen belegen (Sitz-Heizung-Klima-Einstellung usw.)

Optisch ist der M3 für mich derzeit neben dem S5 das schönste Coupe. Der Wagen ist jedoch klar mit dem 911er zu vergleichen und da auch eher mit dem Turbo und nicht dem S4 oder Carrera.
In diesem Vergleich ist der Preis bestechend günstig, da gerade mal die Hälfte vom 911er bei vergleichbarer Ausstattung, aber absolut gesehen natürlich immer noch eine ordentliche Stange Geld.

Das absolute Highlight der Karre ist jedoch der Gänsehautfaktor. Und die bekommt man schon ohne das sich der Wagen bewegt, einfach nur durch anlassen des Motors. Einfach nur ein Männer-Himmel.

 

http://probefahrer.basicthinking.de

 

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